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Der Mensch denkt – Gott lenkt.

Liebe Gemeindeglieder und Freunde der Gemeinde!

 

In den letzten Wochen hatte man nicht nur viel Zeit zum Nachdenken. Manch einer ist darüber sicher ins Grübeln geraten. Wer zur Gruppe der „systemrelevanten“ Menschen gehört, hatte übermäßig viel zu tun. So sind wir zutiefst dankbar den Ärzten, Schwestern und Pfleger*innen, der Polizei, den Ordnungs- und Gesundheitsämtern, den Politikern, Bürgermeistern und ihren wissenschaftlichen Beratern. Angestellte in Supermärkten und Apotheken haben durchgehend potentiell ansteckende Kunden bedient. Danke für ihre Risikobereitschaft und Disziplin! Wer von ihnen weiß schon, ob die Menschen, die ihnen begegnen, ansteckend sind oder nicht. Darum ist nach wie vor äußerste Vorsicht geboten.

 

Zeiten wie diese sind so anstrengend, weil die Ungewissheit darüber, was morgen sein wird, uns in Atem hält und auch Angst macht. Ständig hören wir Nachrichten, „Corona Ticker“ und versuchen, daraus eine Handlungsanweisung für die nächste Zeit zu destillieren. Aber es gelingt nicht richtig. Als Christen versuchen wir auch, das ganze Geschehen vom Glauben her einzuordnen. Aber wie?

Ich war dankbar, dass die notvollste Phase der Corona Pandemie in die Passionszeit fiel. Wir haben alle mit denen gelitten, die auf das Virus positiv getestet ins Krankenhaus mussten. Aber wir sahen auf Christi Kreuz und haben uns daran erinnert, dass er nicht an einer eigenen Krankheit litt, sondern an unsrer, der erblichen Krankheit der Sünde. Jesus hat aus göttlicher Liebe für uns gelitten, um uns zu retten. In seiner Auferstehung hat Gott ihn als Retter und Heiland der Menschen bestätigt. Das gibt uns große Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod und hat Christus einen Namen gegeben, der über allen anderen steht (Phil. 2,6-11).

 

Zu Christi Himmelfahrt werden wir uns daran erinnern. Jesus kehrte zurück in die unsichtbaren himmlischen Sphären, aber er hinterließ uns dabei seinen Segen. Die Jünger Jesu antworteten spontan mit einem großen Lobpreis und kehrten mutig und fröhlich wieder in ihren Alltag zurück. Seitdem ist Christus der Herr über Raum und Zeit, Herr des Himmels und der Erde. Unseren Blicken ist er zwar entzogen, aber wir glauben: Christus lebt und ist uns nahe, egal wo wir uns gerade befinden, egal ob wir gesund sind oder krank. Christus ist bei uns. Sein Wort und Sakrament wollen uns dessen jedes Mal vergewissern, wenn wir es empfangen.

 

Im 1. Petrusbrief (5,7) heißt es: Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ – „Ja, Herr, ich will gerne loslassen, aber es gibt gerade so viel zu bedenken. Hilf uns und sei uns gnädig.“ – So können wir beten.

 

In dieser Woche ging mir der Spruch durch den Kopf: "Der Mensch denkt, Gott lenkt." Wir machen uns viele Gedanken: Wann können wir wieder Gottesdienste zusammen feiern und wie soll das gehen angesichts der andauernden Ansteckungsgefahr? Wird durch die Einschränkung der Gottesdienste in der Kirche wirklich die Religionsfreiheit eingeschränkt? Es gibt doch Gottesdienste im Fernsehen und Internet. Aber ist das ein vollwertiger Ersatz für den Gottesdienst in der Kirche? Wie kann Gott das zulassen, dass so viele Menschen am Corona Virus sterben?

 

Ich habe mich gefragt, wo dieses Sprichwort "Der Mensch denkt, Gott lenkt" herkommt. Es stellte sich heraus, dass es einem Bibelvers nachgesprochen ist. In Sprüche 16,9 heißt es: „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.“ – Und ich frage mich: Ist das wirklich so? Kann ich das glauben? Ist es egal, was wir denken, wie es weitergehen soll? Wird Gott ohnehin bestimmen, wo es lang geht?

 

Zurzeit befragen Politiker die besten Wissenschaftler des Landes nach Erkenntnissen, Einschätzungen und Handlungsanweisungen für den Weg aus der Krise. Können wir als Christen und von unserm Glauben her etwas dazu beisteuern? Ist der Glaube, das Vertrauen auf Gott, systemrelevant?

 

Sicher nicht in dem Sinne, dass wir so weiter machen wie bisher, gute Ratschläge der Wissenschaftler in den Wind schlagen und darauf warten, dass Gott schon alles in Ordnung bringen wird. Einige Politiker haben tatsächlich nach dieser Devise gehandelt. Aber da ging die Zahl der Corona Infizierten rapide in die Höhe. Das kann also nicht Gottes Wille sein.

 

Gott hat uns einen Kopf zum Denken gegeben und ein Herz für unser Gewissen. Beides sollen wir benutzen. Wir kennen Jesu Worte über die Nächstenliebe. Sie können uns leiten, zum Wohl aller Menschen gewissenhaft zu denken und verantwortungsvoll zu handeln. Wir wären Narren, wollten wir nur an uns selber denken. Bei meiner Bibelrecherche fand ich auch diesen Verse im Buch Jesus Sirach: „Des Narren Herz ist wie ein Rad am Wagen, und wie um eine Achse dreht sich sein Denken.“ (35,5)

 

Tatsächlich gibt Gott uns Weisheit, nach seinem Sinn zu reden und so zu denken, wie es klug und angemessen ist. „Er ist's, der auch die Weisheit auf ihren Weg führt und den Weisen zurechthilft.“ (Weisheit 7,15). Also greift Gott doch lenkend in unser Denken ein. Er ist auf der Seite der Weisen und hilft ihnen. Und wir tun gut daran, auf den Rat der Weisen, der Wissenschaftler unserer Zeit, zu hören.

 

Schließlich bleibt aber die Frage nach Gottes Verantwortung bei all dem Leid in der Welt? Hat Gott das Corona Virus geschaffen, um uns Leid zuzufügen? Um uns zu demütigen? – Schnell kommt da die Antwort: „Nein, auf keinen Fall!“ Aber einfach „Ja“ sagen kann man auch nicht. Gott ist ein gnädiger Gott, aber die Vorstellung, dass er die Menschen auch bestrafen kann, sollte nicht ganz ausgeschlossen werden.

 

Gott lenkt und regiert in seiner Güte und Weisheit diese Welt, in der so viel entgleist ist. Er setzt uns dabei auch Grenzen. Er segnet und hilft. Er ruft und mahnt und warnt uns davor, „dass die Konsequenzen unseres ungerechten Handelns auf unseren Kopf zurückfallen – individuell und kollektiv. Aber Gottes Geschichtswalten schließt auch ein, dass er das Böse und das Leid gebraucht, um uns zu verwandeln. Aus der Ausweglosigkeit kann Einsicht reifen. Aus Verzweiflung kann Umkehr zu Gott entstehen. Aus Leid können Glaube und Dankbarkeit wachsen. Weil Gott immer das Heil der Menschen zum Ziel hat, können wir auch die Geschehnisse, die uns unverständlich erscheinen, unter die Überschrift gestellt sehen: „Gott ist Liebe.““ (Till Roth, idea Spektrum 18.2020, S. 21)

 

Darum lasst uns im Gebet mit Gott ringen wie Jakob damals am Jabok, als er Gott antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ (1.Mose 32,27) Das ist ganz im Sinne Jesu, der uns durch seine Auferstehung Trost und Hoffnung geschenkt hat, wenn er sagt: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ (Joh. 14,19)

 

Ich bete, dass Sie an Leib und Seele gesund bleiben, behütet und zuversichtlich. Ich bete, dass Gottes Geist unser Denken und Tun leitet und segnet, und wir anderen zum Segen werden.

 

Es grüßt Sie herzlich
Ihr Pastor Klaus Pahlen