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Die Krippe im Fokus

„… und wir sahen seine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Johannes 1,14

 

 

Liebe Gemeindeglieder,

liebe Leserinnen und Leser,

 

ein eigenwilliges Weihnachtsbild ist da auf der Titelseite zu sehen. Ein antiquierter Fotoapparat fokussiert sich auf das Christkind. Als ob die Linse mit absoluter Konzentration versucht, das Geheimnis um dieses Kind zu

lüften. Ob es ihr gelingt? Und was ist da eigentlich zu sehen im Suchfeld? 

 

Eine echt kleine Weihnachtskrippe. Aus Terrakotta. Kaum zwei Daumen breit. Handgefertigt. Recht schlicht und ohne großen Glanz. Ein Kind, das mit leicht geneigtem Kopf friedlich lächelt und die Hände entspannt auf den Bauch gelegt hat. So wie frisch gestillte Babys es eben tun, wenn sie noch nichts davon wissen, dass die Welt schwer auf den Schultern liegen kann. Eigentlich ist da nichts Besonders zu sehen. Kein Glanz und kein Glamour. Gebrannte Erde ohne Glasur.

 

Doch genau das ist das Weihnachtswunder, wenn Johannes in seinem Evangelium schreibt: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wie sahen seine Herrlichkeit …“. Und damit das Weihnachtswunder auf seine ganz eigene Weise deutet. Nämlich, dass der allmächtige Gott und Schöpfer in seinem Sohn uns Menschen ganz nah gekommen und absolut gleich geworden ist. Wie wir von der Erde genommen, wunderbar erschaffen und begabt. 

 

Nur dass dieses Kind nach seinem Tod am Kreuz – anders als wir – nicht wieder zur Erde wurde, sondern mit seinem verklärten Leib in die Ewigkeit einging. Zu seiner Geburt war das nicht zu sehen. Und doch ahnten die Menschen an der Krippe wohl schon, dass da in Bethlehem vor 2000 Jahren etwas ganz Besonderes und Einzigartiges zu bestaunen war. Immerhin kamen sogar Weise aus dem Morgenland, um es zu verehren! 

 

Der antiquierte Fotoapparat kann das natürlich nicht. Aber er schaut dennoch gebannt auf dieses Christkind und versucht, das Geheimnis zu entdecken.

 

Mit dieser Haltung, meine ich, wird es Weihnachten auch in uns: Gespannt sein. Fokussieren. Ergründen wollen. Dazu ganz nah rangehen. Auf Augenhöhe mit dem Kind gehen. Dazu sich selbst klein machen, vielleicht sogar auf dem Boden kriechend.

 

Und dann ins Staunen geraten, wenn sich das echte Motiv hinter dem Bildmotiv zeigt: Gott selbst in menschlicher Gestalt. Ganz nah bei uns. „… erschienen, uns zu versühnen: Freue, freue

dich, o Christenheit!“ 

 

In adventlicher Vorfreude auf dieses Weihnachtswunder grüße ich Sie und Euch ganz herzlich

Ihr/Euer Pastor Michael Otto