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Das Geheimnis der Blume

„Musste nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“

Lukas 24,26

 

Liebe Gemeindeglieder,

liebe Leserinnen und Leser,

 

im Jahr 1608 überreichten spanische Jesuiten dem damaligen Papst Paul V.

eine Zeichnung und getrocknete Exemplare der 1569 in Peru entdeckten

Passionsblume, lateinisch „Passiflora“.

 

Wenn sich die recht schnell vergängliche Blüte öffnet, offenbart sie für kurze Zeit ihr Geheimnis: ihre verblüffende Ähnlichkeit mit den sog. „Attributen des Leidens Christi“: die auffallend ausgefallenen und farbenprächtigen

Blütenteile erinnern mitten in der Natur an ein Kruzifix. Wie ein genialer Künstler hat Gott die Botschaft von Jesu Leiden

und Sterben am Kreuz in die Schönheit der Natur hineingewebt: Die Ranken der Pflanze stellen die Geißeln dar, der gestielte Fruchtknoten gleicht einem Kelch, die zehn Blütenblätter stehen für die zehn Apostel (ohne Judas und Petrus), ein violett und rot gesprenkelter Strahlenkranz bildet die Dornenkrone, drei Narben erinnern an die Nägel im Holz und die markanten fünf Staubblätter bilden die fünf Wunden Jesu, zwei an den Händen, zwei an den Füßen und der Stich in die Seite. 

 

Die Passionsblume lädt mit dieser Fülle an Symbolik zur Meditation ein, besonders in der Passionszeit, die uns sieben Wochen lang zum Osterfest hinführt. Sieben Wochen lang bedenken wir, wie Jesus ans Kreuz nach Jerusalem geht und dort seinem Tod entgegen.  Wir bedenken aber auch weshalb das so kommen musste, wenn der Prophet Jesaja schreibt: „Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ 

 

Wie die Passionsblume durch die „Attribute des Leidens Christi“ ihre einzigartige Schönheit bekommt, so bekommen auch wir Anteil am Leiden und Sterben Jesu, wenn wir es tief betroffen und in Dankbarkeit bestaunen. Im Anblick des Kreuzes erfahren wir das Heil und werden geheilt von aller Schuld, die wir an und in uns tragen. Und im Licht der Auferstehung Jesu bekommen wir jetzt schon ein neues Wesen, so schön wie die Passionsblume mit ihrer Pracht. 

 

Mit dem heilsamen Blick auf die Passionsblume grüße ich Sie und Euch ganz herzlich

Ihr/Euer Pastor Michael Otto